Ein Interview mit Dennis Weißmantel

Heute zum Dienstag kommt, neben dem Brautpaar, einer der wichtigsten Menschen bei einer Hochzeit ins Spiel:

Der Profifotograf

Neben der Hochzeit selbst, sind die Bilder das Bleibende einer Hochzeit. Damit du dich im Nachhinein nicht über die Bilder ärgerst, haben wir uns mit Dennis in Verbindung gesetzt und ihm ein Loch in den Bauch gefragt. Dennis Weißmantel ist Portrait- und Reportagefotograf aus Mainz, aber auch als Trainer im Bereich Fotografie bekannt.

Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt, um dir auch ein wenig bei der Suche nach dem perfekten Fotografen zu helfen (im Falle, dass der Dennis ausgebucht ist *Zwinker)

Er stand uns Frage und Antwort

Wir bedanken uns zunächst, dass du uns ein Stück deiner kostbaren Zeit zur Verfügung gestellt hast.

Als Profi hast du schon ein paar Hochzeiten begleitet. Es gibt ja bei Hochzeiten schon eine Saison, wenn man das so sagen kann. Wahrscheinlich so von Mai bis September, oder ist das nicht mehr so?

Hi und Danke erstmal, dass Ihr an meiner Meinung interessiert seid.
So grob kann man das schon so sagen, wobei ich den April und Oktober noch mit reinnehmen würde. Aber gerade auch durch die freien Trauungen, die immer beliebter werden, kommen auch Winterhochzeiten immer häufiger vor.
Übrigens würde ich mittlerweile nach gut 100 Hochzeiten eine freie Trauung vorziehen. Wenn man einen guten Trauredner oder eine gute Traurednerin hat, ist das die emotionalste aller Zeremonien und vorallem die persönlichste, denn hier gibt nur das Brautpaar die Regeln vor. Da kommt es auch mal vor, dass ein Fussballpärchen von einer Traurednerin im Schiritrikot verehelicht wird. Das klingt skurril für den einen oder anderen. Aber es ist die wahrscheinlich persönlichste Art zu heiraten, die es gibt.

Wie lange vor dem eigentlichen Hochzeitstag sollte sich ein Brautpaar am Besten bei dir bzw. einem Fotografen melden?

Das ist mit eine der wichtigsten Fragen in meinen Augen, denn jedes Jahr muss ich vielen Paaren absagen, weil sie zu kurzfristig anfragen.
Ein Jahr ist mittlerweile Standard, wobei es gerade bei Stammfotografen beliebter Locations auch in Richtung zwei Jahre gehen kann. Aber nicht erschrecken lassen, bei den meisten ist man mit dem einen Jahr gut im Soll.

Wenn sich ein Brautpaar dann rechtzeitig bei dir gemeldet hat, lernt ihr euch sicher erst mal kennen. Dann trifft man sich vorher und bespricht die Vorstellungen. Wir haben gelesen, dass es die Möglichkeit gibt vorher schon mal gemeinsam ein Fotoshooting zu machen. Die Bilder könnte das Paar ja dann auch für Einladungskarten oder Hochzeitstagsdeko nutzen. Wird so ein Angebot von vielen Paaren genutzt und bist du Fan von so einem „Vor-Shooting“?

Noch vor dem Honorar, ist für mich das Wichtigste zu wissen, ob ich überhaupt der Richtige bin. Passt mein Stil zum Paar? und ganz wichtig, passen wir menschlich irgendwie zusammen?
In meinen Augen bekommt man nur die echten Momente, wenn das Brautpaar vergisst, dass es fotografiert wird. Das funktioniert am Besten, wenn man das Gefühl hat, dass der Fotograf eher ein Gast bzw. Freund ist als nur „der Fotograf“.
Dazu muss natürlich auch der Stil des Fotografen passen, denn man kann nur so fotografieren wie man eben fotografiert. Und wenn der Stil dem Brautpaar nicht gefällt, kann man dem Paar nicht die Ergebnisse liefern, die es sich wünscht. Das wäre dann der Worst Case. Und glaubt mir, da wäre jedes Honorar, sei es noch so günstig gewesen, zu teuer.
Gehen wir aber mal davon aus, dass alles passt, dann kommt bei den meisten Paaren das Engagement Shooting. Ein Vor-Shoot, bei dem man nicht nur schaut was beim Paar gut funktioniert sondern das Brautpaar auch die Arbeitsweise des Fotografen richtig kennenlernt. Der Vorteil ist, man hat nicht nur Aufnahmen, die man super z.B. für Einladungen nutzen kann, man weiss auch am Hochzeitstag wie es funktioniert und ist effektiver. Dies führt wieder dazu, dass man sich nicht so lange von der Hochzeitsfeier ausklinken muss, um gute Portraits zu schießen und ist so wieder schneller bei seinen Gästen.

Bei den Vorterminen lernt man sich nicht nur kennen sondern man bespricht auch die Motive. Wenn jetzt ein Paar mit Vorstellungen zu dir kommt, die so gar nicht zu dir passen, wäre das ein Problem für dich? Oder bist du ein Typ, der sich gut anpasst? Oder bekommst du deine Paare immer so beraten, dass beide glücklich sind?

Ich versuche schon herauszufinden was einem Brautpaar gefällt und bin offen für Ideen. Aber sollten sie einfach meiner Art zu fotografieren widersprechen, würde ich lieber einen Kollegen empfehlen, der dann eher das Fotografieren übernimmt. Denn nur wenn man etwas gerne macht, ist man gut darin und das Brautpaar verdient für diesen Tag einfach den Besten.

Wie vorbereitet sollte das Brautpaar denn sein? Ist es sinnvoll, sich vorher schon Bilder im Internet anzuschauen oder gar Bilder von anderen Shootings aus dem Netzt mitzubringen?

Wenn man es gerne macht, kann man ruhig auch Moodboards erstellen z.B. auf Pinterest, aber müssen brauchen sie nichts. Ich werde in der Regel dafür gebucht, dass das Brautpaar sich keine Gedanken mehr machen braucht. Ich würde immer empfehlen, insofern es möglich ist, holt euch gute Dienstleister und geniesst einfach den Tag. Umso mehr man selbst macht, desto weniger bekommt man vom ganzen Geschehen mit und das ist an solch einem tollen Tag schade.

Wenn Paare zu dir kommen, haben die ganz klare Vorstellungen oder verlassen sich die Leute mehr auf dein Händchen nach dem Kennenlernen?

In der Regel verlassen sie sich auf mich und das ist mir am Liebsten, denn ich arbeite nicht mit Posen sondern mit Interaktion. Ich bringe die Paare dazu sich miteinander zu beschäftigen, sich an die Momente zu erinnern, warum sie am Tag der Hochzeit da stehen. Wie war die Verlobung? Wann habe ich den anderen das erste Mal registriert?
Wenn sich dann die Paare fallen lassen und auf meine tiefe Stimme hören, beginnen sie echte Gefühle zu zeigen, ohne dass ich es sage. Ein Kuss, nicht weil ich es sage, sondern weil sie das Verlangen verspüren sich zu küssen. Und das sieht man auch im Bild. Ein Kuss auf Kommando bleibt einer auf Kommando. Ein Kuss aus der Emotion heraus, hat eine viel grössere Tragkraft.

Gibt es das perfekte Wetter für Hochzeitsbilder oder kann man wirklich bei jedem Wetter grandiose Bilder machen? Schließlich wünscht sich jedes Brautpaar Sonnenschein und Wärme zu der eigenen Hochzeit, doch nicht immer ist das auch gegeben. Ist das Wetter ein Problem für den Fotografen?

Natürlich hat man seine Vorlieben, aber das Wichtigere ist die Uhrzeit des Shoots. Mittagssonne ist zwar machbar, aber bei Weitem nicht so schön, wie z.B. das Licht kurz vor Sonnenuntergang.
Ich persönlich meide das direkte Mittagslicht, wenn irgendwie möglich, denn es ist sehr hoch und hart. Führt schnell zu unreiner Haut, schlechten Schattenwürfen auf andere Personen, zugekniffene Augen oder „Waschbäraugen“ vom Schattenwurf der Augenhöhlen. Das bedeutet nicht, dass es nicht geht, aber wenn es irgendwie zu vermeiden ist, dann vermeide ich es und in der Regel geht das immer.

Optimal ist es, wenn zwischen Fotografen und Hochzeitsgesellschaft eine positive Stimmung herrscht. Siehst du dich dann trotz hoher Sympathie als „Dienstleister“ oder eher als „Dazugehöriger“?

Ich bin ein Fotograf mit sehr kurzen Brennweiten, deshalb schon alleine bin ich mittendrin und mische mich unter. Kaum einer nimmt mich nur als Fotograf wahr und das ist, glaube ich, auch gut so, um einfach an die echten Menschen und Momenten zu kommen. Denn, wenn nicht jeder still steht und leicht debil in die Kamera lächelt, wird es doch erst richtig interessant

Wir sind uns schon einig, dass man den Bildern auch ansieht, ob sich alle sympathisch sind. Doch nicht jeder Mensch ist gleich. Hast du für zukünftige Brautpaare ein paar Tipps, wie sie den perfekten Fotografen finden? Gibt es ein paar Sachen, die ein Fotograf unbedingt „mitbringen“ sollte?

Ja, die habe ich.
Trefft euch mit dem Fotografen und lernt ihn kennen. Auch ein Skype Call oder ein längeres Telefongespräch kann helfen.
Auch wenn das hier jetzt eher technisch ist, ist es in meinen Augen zu wichtig um unerwähnt zu bleiben.
Fragt nach den wichtigen Dingen, wie z.B. ganzen Hochzeitsreportagen. Lasst euch nicht nur ein paar Ausschnitte zeigen sondern echte und ganze Reportagen. So sieht man, wie jemand über Stunden arbeitet und ihr umgeht, dass euch gefakete Hochzeiten oder Styled Shoots gezeigt werden. Hochzeiten sind sehr schnelllebig und ein guter Fotograf hat schon fast alle Tücken erlebt und kennt die Lösungen um am Tag der Hochzeit relaxed zu bleiben.
Unterhaltet euch ausserdem auch privat, schaut ob ihr Dinge, die euch wichtig sind, ähnlich seht. So könnt ihr sicherer sein, dass ihr auf der gleichen Wellenlänge liegt.
Ich persönlich treffe mich immer in einem Café zum Kennenlernen und beantworte alle Fragen persönlich.
Ich zeige dann verschiedene ganze Reportagen und erkläre warum das so und so gemacht wurde.
Wenn ich aber einen ultimativen Tipp geben kann, dann nur den, dass man sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen sollte. Ist mir der Mensch gegenüber unsympathisch, dann lasse ich es besser. In so wichtigen Entscheidungen liegen Bauch und Herz meistens richtig.

Jetzt sind wir noch ein wenig Neugierig auf deine Erfahrungen?
Hattest du schon mal ein Paar, bei dem du froh warst, dass der Tag zu Ende war?

Uff, nein das nicht. Da bin ich doch ganz froh, dass meine Menschenkenntnis mittlerweile gut genug ist.

Gibt es abschließend noch ein paar Worte für zukünftige Eheleute aus der Sicht eines Profifotografen?

Oh ja, wisst ihr!? Ich habe zu meiner Hochzeit zwei Fehler gemacht, die ich heute bereue und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer.
Ich würde heute die Gewichtung der Dinge, die man zur Hochzeit braucht anders setzen. Natürlich ist dies aber rein subjektiv.
Für mich ist mittlerweile das Wichtigste der Ring, denn den trage ich jeden Tag bei mir. Nicht der Anzug, die Deko oder das Essen, all das gerät irgendwann in Vergessenheit oder verschwimmt. Das, was ich immer bei mir trage, ist mein Ring.

Direkt danach kommen die Fotos oder das Video. Denn diese frieren die Momente ein und halten sie frisch. Wenn alles verblasst, holen sie die Farben wieder hervor. Aber der grosse Punkt ist, die Wichtigkeit steigt erst mit dem Alter der Ehe. Im ersten Jahr ist alles noch recht frisch, doch dann verblasst alles Stück für Stück.
Bei den Ringen haben wir zwar nicht das Schlechteste genommen, aber man sieht Ihnen einfach an, dass sie nicht mehr die Jüngsten sind und das schon nach fast 5 Jahren.
Das härteste ist aber, dass unser Fotograf damals kurz vorher abgesagt hat. Wir haben also, außer den Bildern der Verwandten, nichts Richtiges. Auch wenn das im ersten Jahr noch ok war, so schmerzt es von Jahr zu Jahr mehr.
Nun war ich damals nebenberuflicher Fotograf und nahm deshalb ebenfalls einen Nebenberufler zur Hochzeit, denn bei mir ging ja auch nie was schief. Dass er dann aber keinen Urlaub mehr bekam, obwohl er ihm zugesichert wurde, macht es einfach unvorhersehbar.
Mittlerweile würde ich bei beiden Dingen anders agieren und frühzeitig einen guten Fotografen buchen.
Auch wenn dies immer der härteste Punkt ist, denn ein guter Fotograf macht einen Grossteil des Budgets aus, aber ist auf lange Sicht einfach das, was über bleibt.
All die Stunden am Tisch an denen man Servietten faltete, die schlaflosen Nächte, weil man denkt man habe etwas vergessen…
Das alles ist umsonst, wenn man nichts hat, dass einem die Erinnerungen immer wieder hervorruft.

So findest du Dennis auf allen seinen Kanälen:

www.dennisweissmantel.de
Facebook
Instagram

Lieber Dennis, wir Danken dir ganz doll, dass du uns Rede und Antwort standest. Wir lieben deine Bilder und spätestens zu unseren Hochzeiten sehen wir uns in Apolda. Wir wünschen dir auf deinen weiteren kreativen Weg alles Gute!

Jenny und Suse

Schreibe einen Kommentar