Familie und Beruf – so ist es bei uns

„Du arbeitest doch zu Hause, da bist du ja wenigstens da“

Das habe ich in der Zeit relativ kurz nach der Geburt von unserem Kind sehr oft gehört

Zu Hause arbeiten hat definitiv Vorteile – aber nicht nur

Ich führe mein kleines, feines Nagelstudio von Anfang an in den eigenen vier Wänden. Tatsächlich dachte die ein oder andere Kundin, dass es doch super ist, schließlich arbeite ich von zu Hause aus und bin ja „da“. Jeder sieht hier schon den Fehler im Denken: Genau, ich habe gearbeitet und die Zeit nicht mit meinem Kind verbracht.

Viel schlimmer fand ich aber die Frage, wenn das Baby geweint hat: Ist jemand da?

Mein Gedanke: Nein, ich sitze doch jetzt hier mit dir. Ich lasse mein Kind eigentlich immer anderthalb Stunden alleine irgendwo liegen und überlasse es sich selbst.
Ich sagte allerdings: Natürlich, der Olli ist da.

Dann kamen doch wirklich manchmal komische Blicke auf mich als Mama, die arbeitete, obwohl ich ein Baby habe.

Selbstständigkeit – Selbst und Ständig

Ich möchte hier natürlich hier nicht sagen, dass ich direkt nach der Geburt wieder gearbeitet habe. Jedoch war bei uns gleich klar, dass der Papa ein Jahr mit dem Baby zu Hause bleiben wird. Er arbeitet im öffentlichen Dienst und hat somit seinen Job sicher. Klar, könnte man jetzt auch danach gehen, dass derjenige weiter arbeiten geht, wer am meisten verdient. Das wäre (und ist bis heute so) der Papa. Aber bei uns ist es dann doch nicht ganz so einfach.

Hätte ich jetzt ein Jahr komplett mit dem arbeiten ausgesetzt, hätte ich mit meinem Nagelstudio wieder bei Null angefangen. Also habe ich einen Großteil meiner Kundinnen ab der achten Woche nach der Geburt wieder bei mir im Studio schön gemacht. Die Männer sind in der Zeit spazieren gegangen, haben geschlafen oder sind die Omas besuchen gefahren.

Habe ich in der Zeit gestillt? Ja habe ich. Dementsprechend hing ich auch immer mal in den Seilen. Denn in der Nacht konnte mir das der Papa nicht abnehmen. Aber es ging alles.

Die Männer haben ihren Alltag super zusammen gemeistert. Auch ohne, dass ich dabei war.

Lust auf Wiederholung?

Definitiv NEIN !!!

Für uns beide steht fest, dass wir dieses Variante nicht noch einmal für unsere Familie wählen würden. Ich habe auch rückblickend nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Schließlich gab es nichts, was er nur einmalig in seinem Leben gemacht hat. Alle was er gelernt hat, in der Zeit, in der ich am Arbeitstisch saß, konnte ich mir auch nach Feierabend anschauen. Trotzdem würde ich bei einem zweiten Kind weniger arbeiten, um auch den Olli nicht noch mal die ganze Arbeit „aufzuhalsen“ (Bitte nicht falsch verstehen: der Papa hat das Jahr sehr genossen).

Jedoch steht auch für den Papa fest, dass er auf keinen Fall noch einmal ein ganzes Jahr auf seiner Arbeit auszusetzen. Mittlerweile gibt es auch andere Möglichkeiten, z.B. dass sich die Eltern in die Zeit rein teilen können. Das wäre für uns die perfekte Lösung.

Wie es heute ist?

Heute arbeiten wir beide wieder Vollzeit und der Zwerg besucht den Kindergarten – und das sehr gern!

Jetzt stellt sich die Selbstständigkeit auf jeden Fall als Vorteil für unsere Familie raus.

Der Mann muss zu bestimmten Zeiten, die Kernarbeitszeit, auf Arbeit sein und auch seine 40 Stunden in der Woche voll bekommen. Zwei Tage die Woche hat er auch Sprechzeiten, wo er auch trotz Gleitzeit zu festen Zeiten anwesend sein sollte. Unterm Strich: Er ist bei den Arbeitszeiten nicht ganz so flexibel. Klar, brennt bei uns mal die Luft, kann er immer von seiner Arbeitsstelle weg. Aber unsere Tage sind doch schon fest strukturiert.

Ich dagegen habe ich nicht jeden Tag gleich zutun. Es gibt Wochen da arbeite ich sehr viel und auch das auch bis in den Abend rein. Dann gibt es wieder Tage, an denen ich nur eine Kundin abarbeite oder Tage an denen ich ganz und gar frei habe. Da ich ausschließlich mit Terminen arbeite, kann ich mir auch Tage frei halten. Ein verlängertes Wochenende ist da hin und wieder drin und auch Brückentage sind für mich kein Problem. Wenn der Olli da eben keine verfügbaren Urlaubstage mehr hat, sieht es da bei ihm eher schlecht aus.

Da wir aber genau wissen müssen, wer wo wann und wie arbeitet, sind bei uns (und mit uns) spontane oder kurzfristige Sachen eher schlecht. In der Woche haben wir kaum einen Nachmittag zu dritt. Sollte es jetzt mal nicht so sein, dass eine Kundin abgesagt hat oder ich komplett frei habe, ist einer alleine mit unserem Kind am Nachmittag. Ich versuche zwar, dass ich mir den Freitag Nachmittag frei halte, aber auch das klappt leider nicht immer. Der Olli übernimmt meist Montag, Mittwoch und Donnerstag.

Der Dienstag Nachmittag ist immer ein Mama-Sohn-Nachmittag. Da gehen wir Eis essen, treffen Freunde oder fahren zusammen Fahrrad. Alle vier Wochen versuche ich Dienstag auch nur bis Mittag zu arbeiten, dass ich ein Mittagskind aus dem Kindergarten holen kann. Dann gehen wir in die Schwimmhalle.

Unser Familienmodell

Wir drei sind eine kleine, glücklich Familie.

Ich will auch ehrlich sein: Würde der Olli mehr verdienen, würde ich eins zwei Kundinnen abgeben, um auch hin und wieder Nachmittage mehr mit meiner Familie verbringen zu können. Doch im Augenblick ist das finanziell nicht möglich und ich habe nicht den Eindruck, dass unser Kind etwas fehlt oder sich gar vernachlässigt fühlt. Ich könnte mir allerdings nicht vorstellen, dass ich mich ausschließlich um den Haushalt zu kümmern.

Das ganze möchte ich auch kurz erklären:
Ich würde in einen Trott verfallen und faul werden. Ich hätte nicht genug Selbstdisziplin, mich jeden Tag aufzuraffen. Unser Sohn wäre ja den gesamten Vormittag im Kindergarten. Ich würde dann am Handy gammeln, im Facebook chatten, Blogs lesen und Hörbücher hören. Was ich aber nicht tun würde: Bügel, Wäsche waschen, Bad säubern, Betten beziehen …

Die Hausarbeit teilen wir uns. Der Papa übernimmt das Kochen und die Küche und ich übernehmen den Rest. Die Wäsche wasche ich tagsüber nebenbei und am Wochenende wird der Rest gemacht.

Wir machen jeden Abend gemeinsam Abendessen – da bestehen wir als Eltern auch drauf. Schließlich ist das auch die einzige Mahlzeit zusammen in der Woche. Da erzählen wir vom Tag, bereden die Pläne und spielen auch mal ein Spiel danach.

Wie wir es gezeigt bekommen haben

Ich bin mir auch sicher, dass es eine vorgelebte Einstellung ist. In meiner Kindheit haben meine Eltern immer gearbeitet und soweit ich weiß, waren auch die Eltern vom Olli immer berufstätig. Meine Mama, als Krankenschwester, hatte (und hat bis heute) einen Drei-Schicht-Arbeitsalltag. Da waren meine Schwester und ich auch mal früh alleine zu Hause und sind selbstständig in die Schule gegangen. Und? Wir sind trotzdem tolle Menschen geworden (Eigenlob stinkt- ich weiß).

Hast du vielleicht auch Lust über euren Alltag mit dem Bezug auf Familie und Beruf zu schreiben? Dann kann ich dir die Blogparade bei Kerstin von Chaos² empfehlen:

Der Plan und die Realität – Familie und Beruf
Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr euch vorher Gedanken gemacht, wie dieses Familien-Arbeit-Vereinbarkeits-Ding laufen wird?

Und lief es dann auch so? Oder kam doch alles ganz anders und überhaupt nicht so, wie geplant?

Seid ihr glücklich mit dieser Entwicklung?

Viele Grüße
Suse

 

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